Etappe 1 - Von Hamburg nach Teneriffa

Vom 20. Oktober bis zum 08. November 2019 fuhren wir zum ersten Mal richtig zur See. Bislang war unser weitester Seeweg die Fahrt von Travemünde nach Schweden bei unserer Tour zum Nordkap
Unsere erste Kreuzfahrt führte uns nun von Deutschland über den großen Teich bis in die Karibik. Damit waren wir das erste Mal mehrere Tage auf einem Schiff. Das Tagebuch unserer Reise findet Ihr hier. Hier geht es direkt zur zweiten Etappe von Teneriffa nach Barbados.

Tag 0 - Ankunft in Hamburg

Man kennt es ja – Bahn- und Fluglotsenstreik, Unwetter, Unfälle – Gründe für eine verzögerte Anreise gibt es viele. Also entschlossen wir uns, einen Tag vorher ganz entspannt nach Hamburg zu reisen. 
Mit der Bahn und einem sehr günstigen erste Klasse-Ticket kamen wir am Mittag des 19. Oktober ganz entspannt in Hamburg an und bezogen unser Zimmer im Reichshof Hamburg in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs. 
Den Nachmittag und Abend verbrachten wir auf der Terrasse der Elbphilharmonie und im Miniatur Wunderland.   

Tag 1 - Ankunft am Schiff

Wir starten in Hamburg. Unser Boarding soll von 11:30 bis 12:30 stattfinden. Mit dem zuvor reservierten Transfer vom Hauptbahnhof zum Anleger Steinwerder sind wir pünktlich am Check In. Alles läuft zügig und wir sind recht schnell auf dem Schiff. Unsere Kabine ist noch nicht fertig. In der App erfahren wir, dass gegen 15:30 die Reinigung beendet sein soll. Also essen wir das erste mal zu Mittag im Markt Restaurant. Das Essen ist gut und wir lernen direkt ein nettes, älteres Ehepaar kennen. Gegen 15 Uhr ist unsere Kabine fertig. Es zeigt sich, dass die sehr ausführliche Recherche vor Buchung der Reise sich gelohnt hat. Kabine 12203 ist der Hammer. Wir wollen gar nicht wieder raus und lassen das erste Auslaufen und den Begrüßungssekt sausen. Stattdessen stehen wir bei Hamburger Schietwetter auf unserer Veranda und schauen ein wenig zu, wie sich der riesige Dampfer fast unmerklich in Bewegung setzt. Zu Abend essen wir im Bella Donna Restaurant.
Im Anschluss genießen wir ziemlich alleine die ersten Cocktails in der Lanai Bar bei Kälte und in Decken gehüllt. Aber das wird noch deutlich besser.

Tag 2 - Seetag

Die erste Nacht war gut. Die Betten sind echt gemütlich. Ich habe zumindest besser geschlafen, als in unserem Hotel in Hamburg. Frühstück nehmen wir recht früh gegen 7:30 im East Restaurant zu uns. Schon um 9:20 soll die vorab gebuchte Küchenführung stattfinden. Die ist dann auch wirklich sehr interessant. Zuvor müssen sich alle Teilnehmer mit Einmal Schutzkleidung ausstatten. Diese dient in allererster Linie dem Eigenschutz, damit man sich seine Kleidung nicht mit Fett oder ähnlichem einsaut. Wir besichtigen viele Bereiche, die sonst nur der Mannschaft zugänglich sind. Auch die Kantine der Mannschaft ist sehr ansprechend und an das Marktrestaurant angelehnt. Selbst ein paar der Deko-Bäume sind dort vorhanden. Wir besichtigen die Bäckerei, die Hauptküche, die Patisserie sowie verschiedene Lager und Kühlräume. Im Anschluss an die Führung erhält jeder Teilnehmer einen kleinen AIDA Kräuterlikör, ausreichend Sekt und einige kleine, sehr schön angerichtete Häppchen aus dem a la Carte Restaurant Rossini.
Zu Mittag gönnen wir uns einen leckeren Cheeseburger und nicht ganz so leckere Chicken Nuggets im Fuego Restaurant.
Am Nachmittag probieren wir das French Kiss aus. Wir bestellen Cappuccino und Schoko Tarte. Getränke sind zu zahlen, der Kuchen ist frei.
Das Wetter ist weiter schlecht, aber das Schiff schaukelt kaum.
Am Abend hocken wir uns an die Bar Tapas & Bar. Auch hier sind die Speisen frei und die Getränke zu zahlen. Zu Sangria und Corona Bier lassen wir uns einige Tapas schmecken.
Im Anschluss unterhält uns Manes Meckenstock mit seinem etwas derben Programm im Theatrium. Aber es war trotzdem sehr lustig.

Tag 3 - Southampton / London

Heute steht der erste über AIDA gebuchte Ausflug an. Wir wollen das Zentrum von London auf eigene Faust erkunden.
Zuvor wird im East gefrühstückt. Danach haben wir ausreichend Zeit, uns auf den Ausflug vorzubereiten.
Dieser startet um 10:15 deutscher Zeit. Die Briten sind noch in der EU. Trotzdem müssen selbst die, welche das Schiff nicht verlassen wollen, zum Face Check, also der Gesichtskontrolle. Wir verlassen das Schiff um kurz vor 10 und landen mit unserer Begleitung Elisabeth im Bus. Rund zweieinhalb Stunden dauert der Transfer ins Zentrum nach London, wovon mindestens 30 Minuten Stau sind. London mit dem Auto ist die Hölle. Immerhin steht an vielen Straßen auf dem Boden, in welche Richtung der Tourist zuerst schauen muss, um nicht überfahren zu werden.
Vier Stunden haben wir Zeit, London zu Fuß zu erkunden. Vom Parkplatz an der Parklane gehen wir erst einmal in den direkt dort liegenden Hyde Park. Dicke und zahme Grauhörnchen gibt es hier.
Erstes Ziel war Harrods, das noble Mega Kaufhaus. Es erschlug uns. Ein kleines Souvenier gekauft, das unglaubliche Treppenhaus bestaunt und wieder raus.
Weiter ging es Richtung Buckingham Palace. Auf der Karte sah alles näher aus. Und leerer. Massen an Touristen sammelten sich vor dem Palast. Es war zwar kein Gedränge, aber es war voll. Zudem ist der Palast von außen weit weniger imposant, als man vermutet. Rein kommt man ohnehin nur, wenn die Queen in Urlaub ist.
Von dort ging es weiter Richtung Picadilly Street. Westminster hatten wir wegen der Brexit Demos nicht mehr in Betracht gezogen. Alles in Allem war die Stadt eh zu voll.
Zu guter letzt und etwas zu früh steuerten wir wieder den ruhigen Hyde Park an und hatten endlich eine Bank und eine öffentliche Toilette.
Die dicken Grauhörnchen sind echt putzig. Ein Fuchs kam am helllichten Tag des Weges, samt frisch erbeutetem Hörnchen, und verschwand in den auch im Herbst sehr schönen Rabatten. Mitten in London.
Die Rückfahrt zum Schiff dauerte ewig und die geplante Abfahrt gegen 20 Uhr deutscher Zeit konnte der Kapitän getrost vergessen. Immerhin waren wir nicht der letzte Bus. Aber es zeigte sich, dass eine Buchung über AIDA hier die bessere Wahl war. Da wartet das Schiff.
Abendessen gab es im East. Das war ok, aber weitaus besser war ab 21 Uhr Wayne Morris auf der Showbühne. Ein begnadeter Sänger und Gitarrist. Mit seiner Ein Mann Band rockte er das Schiff.

Tag 4 - Seetag

Wir schliefen bis 7 Uhr 40. Kaum zu glauben. Prompt war es beim Frühstück im Weite Welt Restaurant brechend voll. Dafür wird das Wetter deutlich besser. Sonnenschein und relativ milde Temperaturen ermöglichen Sonnenbaden. Zum Glück haben wir unsere Veranda. Da ist es sonnig und ruhig.
Zu Mittag aßen wir im Bella Donna Restaurant. Wir hatten uns mit der Zeit vertan. Meine Uhr zeigte britische Zeit an, auf dem Schiff galt aber noch die eine Stunde voraus der deutschen Zeit. Nach knapp 20 Minuten schloss das Restaurant. Also haben wir uns Kaffee und Kakao in der Lanai Bar gegönnt. Bei strahlendem Sonnenschein saßen wir im Schatten. Dort war es noch empfindlich kalt, aber mit Wolldecke war es sehr schön und ruhig. Alle anderen tummelten sich in der Sonne. Die hatten wir dann auf unserem Balkon in aller Ruhe bis zum Sonnenuntergang. Wunderbar!
Zum Abend hatten wir einen Tisch im Brauhaus reserviert. Es gab selbst gebrautes Oktoberfest Bier. Ich entschied mich für eine Bayrische Brotzeit, meine Frau für ein Schnitzel mit Pommes. Die Brotzeit und die Pommes waren gut, das Schnitzel eher eine panierte Scheibe gekochter Schinken. So dünn haben wir ein Schnitzel noch nie gesehen.
Mit einem Tütchen Pralinen aus dem French Kiss ging‘s auf die Kabine. In der Nacht nahm die Biscaya etwas Schwung auf. Das Schiff wackelte etwas und die Kabine knirschte. Trotzdem schliefen wir gut.

Tag 5 - La Coruna

Wir sind gegen 7 Uhr deutscher Zeit aufgewacht und der Wind bläst uns mit 61,9 km/h entgegen. Das Schiff wackelt, schaukelt aber kaum. Schade eigentlich. Das Wetter ist dürftig. Es regnet. Mal sehen, ob wir gleich das Schiff verlassen.
Frühstück im East Restaurant war wie gewohnt gut und ruhig. Der Liegeplatz ist toll. Man ist direkt in der Stadt und kann einiges zu Fuß erreichen.
Wir sind noch auf dem Schiff. Die Crew übt den Ernstfall. Signale und Lautsprecherdurchsagen inklusive. Feuer auf Deck 4, dann auf Deck 5. Wir sind auf 12. Immerhin.
Einen kleiner Stadtrundgang durch La Coruna in einem relativ lichten Moment beschließen wir – zurück auf dem Schiff – im weite Welt Restaurant. Dabei lernen wir eine ältere Dame kennen, die schon die ganze Welt bereist hat. Inklusive Himalaya und die Anden. Jetzt, wo die Beine nicht mehr so tragen, sind die Reisen mit dem Schiff dran. Wir machen das lieber anders rum….
Nach dem Mittagsschläfchen gönnen wir uns Kaffee und Kuchen, der neben dem Theatrium gratis ausgegeben wird. Danach wieder aufs Zimmer. Es regnet heftig. Aber ab Lissabon soll wieder Sommer sein.
Das Abendessen war sensationell gut. Wir haben ohne Reservierung zum Glück noch einen freien Platz im Casa Nova Restaurant bekommen. In diesem Spezialitäten Restaurant kosten die Getränke, die Speisen sind aber frei. Das Essen war einfach nur vorzüglich.

Unser Menü im Casa Nova:

Tag 6 - Seetag

In dieser Nacht wurden die Uhren das erste Mal eine Stunde zurückgestellt. Wir schliefen bis zwanzig vor acht neuer Zeit. Seeluft macht offenbar müde und so langsam setzt die Entspannung ein.
Frühstück im Bella Donna Restaurant. Zu Mittag gab es zwei Currywürste an der scharfen Ecke. AIDA wirbt mit der besten Currywurst der Weltmeere. Könnte stimmen, es fehlt allein der Vergleich. Im Anschluss ein Latte Machiato am Heck in der Lanai Bar. Dabei genießen wir den Blick auf den weiten Ozean. Einfach herrlich.
Mittlerweile haben wir strahlend blauen Himmel und fahren mit unserer Verandakabine am Bug der Perla der Sonne entgegen. In einigen Artikeln im Internet warnen selbst ernannte Experten vor solchen Bug Kabinen. Der Fahrtwind sei zu extrem. Stimmt zumindest hier alles nicht. Es ist für uns die beste Kabine auf dem Schiff.
Nach einem entspannten Nachmittag aßen wir im Fuego Restaurant ein wenig Pizza und andere Kleinigkeiten.
Um 19 Uhr startete Manes Meckenstock mit seinem zweiten Programm. Der ist echt witzig. Zusammen mit einem Cocktail genossen wir die Show. Im Anschluss ging es zu Wein und Bier wieder in die Lanai Bar. Danach gegen 20 Uhr 30 in die wunderschöne Kabine. Der Sternenhimmel wird von Nebelschwaden durchzogen. Es wird etwas frisch auf dem Balkon. Trotz Ende Oktober war es bisher aber nie richtig kalt. Den Pullover hätte ich zu Hause lassen können. Morgen kommen wir in Lissabon an. Da soll es schön warm sein. Mal sehen.

Tag 7 - Lissabon

Es ist 6 Uhr, als wir wach werden. Vor uns liegt die Bucht vor Lissabon. Die beleuchteten Ufer und die schmale Sichel des Mondes direkt vor uns sind beeindruckend. Das Schiff bewegt sich kaum. Erst als die Lichter langsam näher kommen, merken wir, dass wir doch fahren. Langsam kommt auch die Golden Gate Bridge Europas immer näher. Aus der Ferne hört man ein unablässiges Heulen der Brücke. Die Fahrzeuge machen einen Heidenlärm, der weiter anschwillt, je näher man kommt. Gelegentlich wird das Heulen durch ein quer über unseren Köpfe einschwebendes Flugzeug verstärkt. Noch näher hört man ein gleichmäßiges Klacken, wie es Züge beim Befahren von Weichen verursachen. Scheinbar fahren Fahrzeuge über irgendwelche Metallteile. Soundmäßig klingt die Brücke wenig vertrauenswürdig.
Um 7 Uhr öffnen die ersten Restaurants zum Frühstück. Wir landen wieder im East Restaurant.
Mittlerweile haben noch zwei weitere Kreuzfahrer festgemacht.
Lissabon ist echt der Hammer. Witzigerweise sind wir über die dieses Wochenende stattfindende Aktion Jardins abertos, zu deutsch Offene Gartenpforte, gestolpert. Wir konnten zwei private Gärten besuchen. Die Häuser waren eher Ruinen „im Umbau“ aber die Gärten waren toll. Gegen 13 Uhr sind wir zum Mittag bei einem Glas Wein im Weite Welt Restaurant wieder zurück auf dem Schiff. Um 15 Uhr soll es weitergehen.
Das Auslaufen in Lisbon ist spektakulär. Lissabon ist eine Mischung aus Rio de Janeiro und San Francisco. Zumindest wenn man die große Jesus Statue und die Brücke über den Tejo betrachtet. Wir verlassen Lissabon auf dem Weg nach Teneriffa. Über 700 Seemeilen sorgen dafür, dass wir diese Etappe fast mit Höchstgeschwindigkeit zurücklegen werden. Übermorgen um 10 Uhr sollen wir in Santa Cruz festmachen. Für einige Reisende ist dies schon das Ende der Tour. Mittags gehen die ersten Flieger. Wir dürfen noch länger bleiben und freuen uns auf den anstehenden Seetag.
Den Abendessen nehmen wir im viel zu vollen Markt Restaurant zu uns. Danach lauschen wir ab 19 Uhr Rico Bowen im Theatrium. Schon cool, wie der californian Sunnyboy ein Lied der Sportfreunde Stiller und Westerland von den Ärzten interpretiert.
Um 20 Uhr sind wir wieder in unserer geliebten Kabine. Morgen steht ein entspannter Seetag an, bevor wir dann zur Atlantiküberquerung aufbrechen.

Tag 8 - Seetag

In der Nacht wurden die Uhren wieder eine Stunde zurück gestellt. Wir sind um halb sieben nach neuer Zeit wach. Die Sonne geht bald auf. Draußen werden es zügig 20 Grad mitten auf dem Meer. Wir holen uns Kakao und ein belegtes Laugencroissant aus dem Pier 3 Market und frühstücken alleine auf dem Balkon. Weit und breit nichts außer Meer.
Zu Mittag essen wir im Markt Restaurant mit anschließendem Karamell Latte in der Lanai Bar. Danach wieder Kabine und entspannen bis zum Abend im Fuego.

Die erste Etappe unserer Reise geht zu Ende. Zum Glück haben wir noch viele Tage vor uns. Wir freuen uns auf Teneriffa und vor allem auf die Atlantiküberquerung. Hier geht die Reise weiter – Teil 2.