Es war die erste wirklich große Reise mit dem Wohnmobil meiner Eltern. Wir hatten bis dahin zwar immer wieder Touren  innerhalb Deutschlands unternommen, doch diesmal sollte es ein Geschenk der Großeltern zur Konfirmation unseres Sohnes sein – eine Reise in den hohen Norden nach Norwegen.

Drei Generationen auf Tour

Die Reise sollte im Jahr 2010 starten. Es war ziemlich schnell klar, dass es eine Männer-Tour werden sollte. Mein Vater als Schenkender, mein Sohn als Beschenkter und ich als Dolmetscher.  Wenn da mal nicht der Bock zum Gärtner gemacht wurde.
Insgesamt stellte sich aber sehr schnell heraus, dass das reisende Trio sehr gut harmonierte. Das ist auf Wohnmobilreisen ein wichtiger Punkt. Man ist auf engem Raum fast ständig zusammen, Rückzugmöglichkeiten gibt es kaum. Harmonie  ist entscheidend für das Gelingen einer solchen Tour.

Unser Zuhause für zwei Wochen

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Ein zuverlässiger fahrbarer Untersatz ist ein weiteres Muss für eine solche Tour. Wir hatten ein Wohnmobil auf Fiat Ducato Basis, Erstzulassung 1986. Großer Vorteil dieses Fast-Oldtimers: Es gehörte meinen Eltern. Damit fiel ein ganz wesentlicher Kostenfaktor weg. Wir mussten nichts mieten. Das Ding begleitete uns dann tatsächlich zuverlässig den ganzen Weg. Lediglich eine Sicherung verabschiedete sich unterwegs. Alles andere klappte hervorragend. Die Feinstaubdiskussionen waren damals noch nicht entbrannt, und so konnte es am ersten August des Jahres 2010 endlich losgehen.

Tag 1 - 533 km Von Wuppertal nach Fehmarn

Endlich ging es los! Das Wohnmobil war gepackt, unsere Lieben verabschiedet und die drei Jungs an Bord sahen ihrem großen Abenteuer entgegen.
Ziel der ersten Etappe war der Campingplatz Klausdorfer Strand auf Fehmarn. Von da sollte es dann am nächsten Morgen mit der Fähre nach Rodby in Dänemark gehen.
Nach rund 530 Kilometern hatten wir den Platz mit einer bemerkenswert guten Gastronomie erreicht.

Tag 2 - 559 km - Über den Oresund bis nördlich von Göteborg

Der Weg ist das Ziel. Nach einer entspannten Fährüberfahrt wurden Kilometer gemacht. Highlight war die Überquerung des Oresund über die gleichnahmige Brücke. Ziemlich hoch und ziemlich spektakulär! Der kurz vor der Dämmerung angefahrene Campingplatz Anfasteröd Gårdsvik lag sehr schön am Rande des Schärengartens. Die sanitären Einrichtungen waren 2010 allerdings nicht sehr gut. Wer bessere Erfahrungen damit gemacht hat darf sich gerne in den Kommentaren verewigen.

Tag 3 - 233 km - Oslo, Oper und Curry

Diese Etappe war deutlich kürzer. Nach nur 233 Kilomtern erreichten wir Oslo und den Campingplatz Fjordcamp direkt am Oslo-Fjord. Unter offensichtlich indischer Leitung empfing uns ein Hauch von Curry in den Duschen. Aber vielleicht war es auch nur Einbildung. Jedenfalls war uns schnell klar, dass ein anderer Campigplatz in Oslo die bessere Wahl gewesen wäre. 
Mittlereile gibt es den Platz nicht mehr. In Google Maps sieht man noch schön die verlassene Rezeption.
Sehr gut war die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Wir besuchten die Innenstadt von Oslo, Mc Donald’s und erklommen die Oper.

Tag 4 - 199 km - Eisenbahnmuseum und Olympia

Von unserer nun zum Glück geschlossenen Curry-Dusche ging es entlang Norwegens größtem Süßwassersee – dem Møsa – nach Hamar. Dort besuchten wir das sehenswerte Eisenbahnmuseum  und gönnten uns eine Fahrt mit der Museumsbahn. 
Im Anschluss ging es mit unserem eigenen Oldtimer weiter auf olympischen Pfaden Richtung Lillehammer. Auf dem sehr guten Campingplatz Lillehammer Camping direkt am See verbrachten wir die Nacht.

Tag 5 - 149 km - Stabkirche in Ringebu und Rondane Nationalpark

Kirchen im Allgemeinen und eine Stabkirche aus dem 13. Jahrhundert im Besonderen verbreiten eine ganz eigentümliche Atmosphäre. In Ringebu steht ein solches Bauwerk. Zusammen mit dem gepflegten Friedhof und der umgebenden Ruhe wurde einem ganz mystisch zumute. Die Kirche in Ringebu ist eine der größten noch erhaltenen Stabkirchen Norwegens.
Weiter ging in den Rondane Nationalpark, dem ältesten Nationalpark Norwegens. Der Weg verlangte unserem Wohnmobil alles ab. Der alte Diesel bewältigte die Steigungen maximal im zweiten Gang. Damit kam er deutlich weniger außer Puste, als wir beim anschließenden Erklimmen eines kleineren Gebirgskammes. Dafür war die Aussicht sensationell. Das Wetter hingegen war norwegisch-herb. 
Auf dem Foto findet Ihr unser Wohnmobil unten auf dem Parkplatz.  Bergab und mit ordentlich müden Beinen ging es zu unserer Übernachtung nach Vollheim Camping, einem kleinen, etwas älteren aber durchaus guten Platz. Wir wussten damals noch nicht, dass wir drei Jahre später – nach Rückkehr vom Nordkap – dort noch einmal einkehren würden.

Tag 6 - 205 km - Über den Trollstigen in den Geiranger Fjord

Eines der absoluten Highlights unserer Norwegen Tour stand auf dem Programm: Eine Fahrt den Trollstigen hinauf und im Anschluss nach Geiranger hinunter. Es ist eine der schönsten und spektakulärsten Routen in Norwegen. Unserem Wohnmobil forderten wir erneut alles ab.  Es ist noch immer ein Abenteuer, diese Straße zu befahren. Der Weg  ist eng und Busse, LKW und Wohnmobile passen nur an wenigen Stellen gut aneinander vorbei. Auf der einen Seite der schroffe Felsen und auf der anderen Seite ein wahnsinniger Abgrund, meist nur durch Steine gesichert. Ich war froh, dass mein Vater an Steuer saß. Wie mag es den Menschen damals ergangen sein, als sie die Wege noch zu Fuß oder mit Pferden bewältigen mussten?
Oben angekommen gönnten wir uns eine Pause und genossen den Blick von der sehenswerten Aussichtsplattform. Doch wo man hinauf kommt, muss man auch wieder hinab. Weitere Serpentinen führten in den Geiranger Fjord.
In Geiranger angekommen fanden wir einen Platz auf dem Campingplatz direkt am Fjord mit Blick auf ein Kreuzfahrtschiff, welches kurz nach unserer Ankunft das Horn zum Ablegen erklingen ließ.

Tag 7 - 89 km - Von Geiranger nach Loen

Am siebten Tag verließen wir Geiranger am frühen Nachmittag. Wir wollten einen Ausläufer des größten Festlandgletschers Europas besuchen.  Die Etappe war mit 89 Kilometern recht kurz und wir erreichten unseren Campingplatz nach rund zwei Stunden Fahrt.  Dabei passierten wir auch den berühmten Aussichtspunkt bei Geiranger, an dem das Titelfoto für diese Seite entstand.
Tjugen Camping in Loen ist ein sehr ruhig und offen gelegener, sauberer Platz. Da wir erst am Nachmittag ankamen, ließen wir den Tag ruhig ausklingen und bestellten Brötchen für den nächsten Morgen.   

Tag 8 - 58 km - Briksdalsbreen Gletscher und Wasserfall

Knapp 30 Kilometer von unserem Campingplatz entfernt liegt der Parkplatz und das Touristenzentrum zum Briksdalsbreen. Von dort wanderten wir etwas mehr als eine Stunde zum Fuß des beeindruckenden  Gletschers.
Es besteht auch die Möglichkeit, vom Parkplatz aus ein Shuttle zu buchen, mit welchem man ganz bequem zum Gletscher gefahren wird.
Am Fuße des Gletschers angekommen, umfing uns die Kälte des Eises. Es knackte und knirschte. Eine tolle, aber auch bedrückende Atmosphäre, denn im Vergleich zu Fotos auf Postkarten, war der Ausläufer des Eises um einiges kleiner geworden.
Zurück nahmen wir den breiten und befestigten Weg der Gletscher Shuttles, vorbei an dem spektakulären Wasserfall, der durch den Gletschersee gespeist wird.
Die Nacht verbrachten wir erneut in Loen.

Tag 9 - 200 km - Von Loen nach Flam

Unsere Tour führte uns nach Flam. Dabei passierten wir den Laerdaltunnel, den mit 24,51 Kilometer längsten Straßentunnel der Welt.
Für Eisenbahnenthusiasten ist die Flambahn mit Sicherheit ein Highlight in Südnorwegen. Für alle anderen ist es ziemlich überteuert und trotzdem voll. Das Hin- und Rückfahrtticket schlägt mittlerweile mit satten 50 Euro pro Erwachsenem zu Buche (Stand 2019).
Wir hatten das Glück, das Kreuzfahrtschiff Costa Atlantica aus nächster Nähe sehen zu können. Die riesigen Dampfer machen direkt neben dem Bahnhof der Flambahn fest. Pech war dann allerdings, dass die Kreuzfahrer sämtliche Tickets der Bahn gebucht hatten. Die Züge waren tatsächlich ausgebucht. Also blieb uns nichts anderes übrig, als am nächsten Tag mit der Bahn zu fahren. Frei war erst wieder um 17.25 Uhr.
Die Flambahn ist eine der schönsten Bahnstrecken in Europa.  Sie verbindet Flam mit dem kleinen Bahnhof Myrdal. Von dort kann man mit der Bergenbahn weiter nach Bergen oder Oslo fahren. Oder man besucht den Nationalpark Hardangervidda. Dieses Hochplateau im Süden Norwegens war auch unser nächstes Ziel. Allerdings hatten wir nicht vor, unser Wohnmobil in Flam zurück zu lassen. Also fuhren wir nach einem kurzen Aufenthalt wieder mit dem Zug zurück und verbrachten eine weitere Nacht auf dem Campingplatz in Flam.

Tag 11 - ca 120 km - Von Flam nach Eidfjord

Am frühen Morgen verließen wir Flam bei Regen und brachen auf zu unserem letzten großen Ziel der Norwegentour – dem Nationalpark Hardangervidda. Wir hofften auf Rentiere und vielleicht sogar Elche.
 Auf dem Weg dorthin passierten wir einen spektakulären Wasserfall. Der Tvindevossen liegt direkt an der Straße und ist touristisch stark frequentiert. Dafür bietet er die Möglichkeit, auf den Terrassen direkt zwischen den einzelnen Wasserstufen zu posieren und zu klettern. 
Die Strecke führte uns über Serpentinen hin zu einer weiteren Fährüberfahrt. Wieder zeigte sich, dass in Norwegen relativ wenige Kilometer Strecke Stunden dauern können. Die Fährverbindung von Bruravik nach Brimnes existiert nicht mehr. Drei Jahre nach unserer Reise wurde die Hardanger Brücke eröffnet, welche die Fährverbindung ersetzt. In Eidfjord erreichten wir wieder einen sehr schöne gelegenen Campingplatz direkt am Fjord.

Tag 12 - rund 125 km - Durch die Hardangervidda

Hardangervidda – sie ist mit rund 8000 Quadratkilometern Europas größte Hochebene und Norwegens größter Nationalpark. 
Der Weg hinein zu einem Wanderparkplatz führt kilometerlang über Schotterpisten. Zu Beginn muss man an einer Mautstelle – ein Blockhaus im Nirgendwo – die Maut in einen Umschlag stecken und sich selbst eine Quittung ausfüllen, um diese hinter der Windschutzscheibe zu platzieren. Angeblich wird das kontrolliert. Vom Wanderparkplatz wanderten wir rund drei Stunden über das Hochplateau. Gelegentlich kamen uns Wanderer entgegen. Rentiere oder andere der 24 dort lebenden Säugetierarten bekamen wir nicht zu Gesicht. Trotzdem ist die Schroffheit und Weite der Landschaft beeindruckend. Erschöpft und zufrieden traten wir die Weiterfahrt und damit den Beginn der Rückreise an. Wir übernachteten in Al auf einem Bauernhof.

Tag 13 - 599 km - Tschüss Norwegen

Mit richtig großen Schritten ging es Richtung Heimat. Ab Schweden sind die Autobahnen wieder verfügbar und wir konnten Kilometer machen. Wir erreichten einen der besten Campingplätze unserer Reise in Ugglarp. Wir standen direkt mit Blick auf das Meer. Am Abend gab es Pizza im angeschlossenen Restaurant. Ein würdiger Abschluss unserer Norwegen-Tour. Doch das dicke Ende sollte noch in Deutschland kommen.

Tag 14 - rund 600 km - Ein Ende im Stau

Kurz vor Bremen war dann Feierabend. Auf der A1 war Stau und es ging nichts mehr. Die Bahn war komplett wegen Bauarbeiten gesperrt und der Verkehrsfunk  hielt es nicht für nötig, darauf hinzuweisen. Folglich stellten wir uns hinten an. Die Freude auf zu Hause wich einer ziemlich miesen Stimmung, da wir auf einen Campingplatz mitten im Nirgendwo genötigt wurden. Ort und Namen habe ich vergessen. Gute Nacht!

Tag 15 - 340 km - Wieder zu Hause

Am frühen Morgen ging es los. Nun berichtete der Verkehrsfunk auch, dass die Sperrung der A1 aufgehoben wurde. Besten Dank dafür.
Wir erreichten Wuppertal um kurz nach 12 Uhr im Regen. Ein sensationeller Urlaub ging nach rund 4000 Kilometern zu Ende. Es sollte nicht die letzte Reise nach Norwegen gewesen sein.
Unsere zweite Tour ist auf der alten Seite hier zu sehen. Sie wird bei Gelegenheit auf dieses Portal übertragen.